Koukianakis auf dem Weltkongress: "Welches Kreta wollen wir?"
Mit einer eindringlichen Rede hat sich der Bürgermeister von Apokoronas, Charalampos Koukianakis, beim 7. Weltkongress der Kreter in Chania zu Wort gemeldet. Seine Botschaft war klar und direkt: Kreta darf nicht zum Industriegebiet für Energieanlagen werden — nicht auf Kosten seiner Natur, seiner Geschichte und seiner Menschen.
Eine grüne Wende, aber mit Verstand
Koukianakis unterstrich, dass er die Energiewende nicht grundsätzlich ablehnt. Was er fordert, ist eine Wende mit Plan — wissenschaftlich fundiert, gesellschaftlich abgestimmt und im Einklang mit der Tragfähigkeit der Insel. Kreta, so der Bürgermeister, verfügt über einzigartige Ökosysteme, eine unschätzbare Artenvielfalt, historische Landschaften und ein kulturelles Erbe, das nicht dem Altar einer ungeordneten Entwicklung geopfert werden darf.
Besonders scharf kritisierte er eine Ungerechtigkeit, die viele Bürger in der Region kennen: Während lokale Energiegemeinschaften — also Zusammenschlüsse von Bürgern, die gemeinsam erneuerbare Energie erzeugen und nutzen wollen — kaum Netzkapazität erhalten, werden Großprojekte privater Investoren ohne nennenswerte Hindernisse genehmigt. Diese Schieflage, so Koukianakis, müsse dringend korrigiert werden.
Der Ruf an die Diaspora
Besonders bewegend war der Teil seiner Rede, in dem er sich direkt an die Kreter wandte, die in aller Welt leben. "Kreta gehört nicht nur jenen, die heute hier leben", sagte er. "Es gehört auch jenen, die es in ihrem Herzen tragen, wo immer sie sich befinden."
Er rief sie auf, zur Stimme Kretas in jedem Winkel der Welt zu werden — und gemeinsam die Weißen Berge, den Psiloritis, die Dikti, die Dörfer und jeden Gipfel zu verteidigen, der durch Gleichgültigkeit und Schweigen gefährdet sei. "Wenn wir heute schweigen, könnte es morgen zu spät sein", mahnte er.
Erbe, nicht Rohstoff
In seinem Abschlussplädoyer fasste Koukianakis seine Überzeugung in einem Satz zusammen, der im Saal nachklang: Kreta sei kein Ort zur Ausbeutung, sondern ein Erbe — übernommen von den Vorfahren, mit der Pflicht, es lebendig, frei und unverändert an die nächsten Generationen weiterzugeben.
Nachhaltige Entwicklung, so sein Fazit, könne nicht mit unkontrollierter industrieller Nutzung der Natur gleichgesetzt werden — nicht mit Windrädern und Masten, die Landschaften zerstören, sondern nur mit einem echten Gleichgewicht zwischen Naturschutz, Geschichte, Mensch und wirklichem Fortschritt.